Hallo liebe Leser von Snengls Blog. Ich komme von nebenan und wurde vor einigen Wochen darum gebeten, hier einen Gastartikel über obiges Thema zu verfassen!
Dem möchte ich hiermit nachkommen.
Vorab: Es geht um die digitale Bildbearbeitung von Portraits mit Photoshop CS4. Ich denke, die meisten meiner Schritte sind auch mit älteren Versionen möglich, wie es jedoch mit Elements oder anderen Bildbearbeitungsprogrammen wie zum Beispiel Gimp aussieht, kann ich nicht sagen.
Noch kurz ein paar Worte zu mir: Ich fotografiere seit letztem Jahr, mit Photoshop beschäftige ich mich allerdings schon seit 2006. Daher ist das Stifttablett für mich mittlerweile genauso funktionell wie ein Bleistift auf dem Papier. Ich weiß nicht, inwieweit meine Bearbeitungen ohne Tablet funktionieren, es soll ja einige geben, die sämtliche Bearbeitungen mit der Maus machen. Ich könnte das nicht!
Ich werde euch Schritt für Schritt erklären, was ich mache anhand diesem Portrait von Yve. Es entstand auf einem TfP-Shooting Anfang dieses Jahres im Fotostudio von Daniel Kotzsch. Das Foto ist bei weitem nicht das beste, das an diesem Abend entstanden ist aber es ist gut für meine Zwecke weil die Schatten etwas langweilig aussehen, das Make-Up noch verbesserbar ist und sie die Augen geöffnet hat.
Eine Beauty-Retusche (Haut abpudern und Leberflecken wegretuschieren) habe ich bereits vorgenommen. Wie man das macht, lernt man ganz toll bei Calvin Hollywood!
Nun zum Dodge and Burn!
Endlich!
Was ist das eigentlich? Auf deutsch sagt man “Nachbelichten” und “Abwedeln”, wenn ich mich recht erinnere. Es geht darum, Stellen im Bild dunkler und heller zu machen. Analoge Fotografien wurden früher beim Entwickeln auch schon nachbelichtet und abgewedelt, das ist also keine Erfindung des digitalen Zeitalters. Nur haben wir es heutzutage weitaus einfacher als die Fotografen früher. Glaub’ ich jedenfalls.
Ich lege eine neue Ebene (Alt+Neue Ebene) mit folgenden Einstellungen an: “Weiches Licht” und “Mit neutraler Farbe für den Modus ‘Weiches Licht’ füllen (50% Grau)”. Es gibt natürlich auch andere Methoden für das Dodge and Burn aber das ist meine Variante.
Ich werde sehr viele Dinge auf dieser einen Ebene machen. Aber wer sich unsicher fühlt, kann gerne immer wieder neue Ebenen erstellen. Dem Endergebnis schadet das auch nichts. Ich nenne die Ebene Dodge-and-Burn.
Auf dieser Ebene arbeite ich nun mit einem großen, weichen schwarzen oder einem weißen Pinsel mit meist einer sehr geringen Deckkraft. Durch die geringe Deckkraft muss ich über eine Stelle öfter gehen, das dauert länger aber ich habe dadurch auch mehr Kontrolle. Wenn ich etwas wieder “wegradieren” will, also wenn das Bild wieder mehr dem Original angenähert werden soll, dann nehme ich ein neutrales Grau, im Idealfall das Grau aus der Dodge-and-Burn-Ebene.
Beginnen werde ich mit dem Inneren der Augen. Es gibt viele andere Methoden, Augen aufzuhellen und mehr Kontrast in sie hinein zu bringen aber mir ist diese Methode ans Herz gewachsen!
Hier ist mein Pinsel noch relativ klein, denn es geht um die Details. Die Deckkraft des Pinsels lieg bei ca. 5 Prozent.
Ich dunkele die Umrundung der Iris etwas ab, ebenso die Pupille und die Wimpern (hier ruhig mit einem großen Pinsel, ihr braucht nicht jede Wimper einzeln zu machen, nur einige wenige verlängere ich etwas… Die Deckkraft des Pinsels bleibt aber so klein! Ich gehe dafür mehrmals drüber). Mit einem ganz kleinen Pinsel betone ich noch den Rand zwischen dem Augapfel und dem unteren Lid und die dunklen Teile in der inneren “Ecke” vom Auge.
Mit einem weißen Pinsel geht es nun an die Aufhellung: Die Deckkraft bleibt gleich, ich helle die iris etwas auf, außerdem das Weiße und alle Blitzreflexionen. Außerdem den Bereich des unteren Lids, der direkt über den Winpern sitzt. Die Deckkraft bleibt bei 5 %.
Ich mache das nicht unbedingt so nacheinander wie hier beschrieben. Mit dem Shortcut X wechsele ich immer wieder zwischen weiß und schwarz. Um das Blau der Iris ein bisschen intensiver leuchten zu lassen benutze ich zum Schluss außerdem für die Iris ein helles blau. Das ist nicht immer nötig und sieht auch nicht immer gut aus.
Und wenn ich schon dabei bin, dunkele ich auch die Augenbrauen ein wenig ab um sie zu betonen. Hier ein vorher-nachher-Bild. Das letzte Bild ist die Dodge-And-Burn-Ebene wie sie alleine aussieht.
Als nächstes kümmere ich mich um das Augen-Make-Up. Das mache ich natürlich nicht bei jedem Bild. Hier wollte ich aber ursprünglich ein Extrem-Make-Up und das ist nicht ganz so geworden wie ich mir das vorgestellt habe. Deswegen fange ich hier an, mehr mit Farben zu arbeiten, um genau zu sein, türkis und orange. Man muss dabei beachten: helle Farben hellen gleichzeitig auf, dunkle Farben dunkeln gleichzeitig ab.
Als nächstes mache ich mich an die Lippen. Als Regel kann man sich eigentlich hier merken: dunkles dunkler, helles heller. Und die Oberlippe ist immer dunkler als die Unterlippe. Wichtig ist auch, dass wir ein bisschen Higlighting mit rein bekommen weil die Lippe durch das Make-Up in diesem Fall recht flach wirkt. Wir haben quasi das Lippgloss vergessen.
Der Pinsel bleibt immer etwas größer als der Teil, den wir bearbeiten wollen und die Deckkraft bleibt ebenso niedrig wie bei den Augen.
Nun setze ich mich auseinander mit den Schatten im Gesicht. Grundsätzlich kann man folgendes sagen:
1. Will man etwas betonen, dann sollte man Dunkles dunkler machen und Helles heller.
2. Man kann aber auch kaschieren, indem man Schatten und Highlights etwas anders setzt als sie im Original sind. Das habe ich zum Beispiel bei ihrer Nase gemacht.
3. Schatten auf den Wangen (ähnlich wie Rouge) lassen ein Gesicht meist Schmaler wirken.
Ich arbeite weiterhin mit einem sehr großen weichen Pinsel mit wenig Deckkraft und sehr grob. Bei den Haaren benutze ich für die Highlights bei Blondinen einen sehr hellen gelben Pinsel, damit sie nicht zu farblos wirken, für die dunklen Stellen ganz normal schwarz.
Hier ein weiteres vorher-nachher:
Und mit einer Tonwertkorrektur sowie einigen weiteren Justierungen wie zum Beispiel ein paar Gradationskurven, sieht das Ergebnis dann so aus (hier in voller Größe).

fantastischer beitrag! ich musste mir das ein bisschen mühsamer zusammensuchen, der artikel hätte mir extrem dabei geholfen!
gerne mehr davon!!!
Ein guter Artikel, wobei ich für das Extreme-Makeup doch eine weitere D&B Ebene angelegt hätte. So bleibt es übersichtlicher.
Schon, das gleich die nichtdestruktive Variante gezeigt wird und nicht die D&B Boardmittel….
@Daniel
Ich hab ja im Artikel geschrieben, dass jeder so viele D&B-Ebenen anlegen kann wie er will..
Ich persönlich arbeite das ganze meistens auf einer Ebene aus, mitunter weil ich auch vergesse, neue Ebenen anzulegen!
Hehe, das kenne ich. Ich nehme mir auch vor, für jede Änderung eine Ebene zu nutzen und nach 30 Minuten stelle ich fest, das wieder alles auf einer Ebene gemacht wurde
Achja, ich habe mal einen ähnlichen Artikel geschrieben, da ging es auch über nondestruktives D&B mit Paint ShopProx X2 – http://www.sypke.de/2009/06/16/nondestruktives-dodgeburn-in-photoshop-und-paintshop-pro/
ihr habt luxusprobleme! :D
ich hab hier bloß ‘n altes notebook mit 1(!!!)GB ram …. ich MUSS gelegentlich mergen damit ich überhaupt noch damit arbeiten kann
Pingback: Photoshop-Kniffe: Entsättigter Bild-Look- Foto-Chaotin
Ein gut geschriebener Artikel bzw. Tutorial. D&B fasziniert mich schon sehr lange. Hier in diesem Beispiel gefällt mir dass diese Technik sehr behutsam und vor allem nicht zu übertrieben eingesetzt wurde.
supergut das ergebniss!
Toller Artikel, was mir bei Dodge & Burn allerdings noch unklar ist, ist wann ich nun den Nachbelichter und wann den Abwedler verwende. Wann wähle ich dabei schwarz, wann weiß (klar ist: Schwarz dunkelt ab, weiß hellt auf) und wann wehle ich eines von “Lichter, Mitteltöne, Tiefen”.
Hey Lorenz,
Abwedler und Nachbelichter nutzt du bei dieser Methode gar nicht, da musst du nach anderen Dodge-and-Burn-Methoden suchen. Damit hat sich auch deine Frage nach Lichtern, Mitteltönen und Tiefen erledigt, diese Einstellung gibt es nur bei den originalen Werkzeugen, die ich selbst aber nicht nutze.
Ich weiß auch nicht ganz, wie ich deine Frage, was “schwarz” und “weiß” machen weiter beantworten soll. Im Artikel hab ich bereits geschrieben: wenn du betonen willst, dann dunkles dunkler machen und helles heller. Will man Dinge etwas verändern, dann braucht’s vor allem Erfahrung, wie etwas wirkt, wenn ich Licht und Schatten verändere. Nehmen wir zum Beispiel eine Nase, die du schmaler wirken lassen willst: dann setzt du an ganz bestimmten Punkten mehr Schatten (und/oder nimmst ihn mit weiß an anderen Punkten heraus)…
Gruß
Melanie
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